Toll, Frau Neubauer! Tolle Figur, die sie in knallroter Pelle auf den Titelseiten jener Les-ich-nur-beim-Friseur- Illustrierten zur Schau stellen. Wie ich im Innenteil erfahre, haben Sie als junges Mädchen ja sehr gelitten unter ihrer Figur. Sie Ärmste! Eine Diät nach der anderen! Essstörungen! Komplexe! Bis Sie sich eines Tages so akzeptiert haben, wie Sie waren! Großartig! Als „Vollweib“ wurden Sie neu erfunden! Üppig und schön dabei! Millionen von dicken deutschen Frauen – oder jenen mit gestörter Körperwahrnehmung – schenkten Sie neues Selbstvertrauen! Big ist beautiful – dafür standen Sie wie keine zweite deutsche Prominenz! Fast hätten wir es geglaubt. Eines Tages aber, im vergangenen August, betrachteten Sie sich im Spiegel, wie der Stern berichtet, und dachten so ganz bei sich: “Es war gut so, wie du warst. Aber jetzt bin ich eine andere. Und neugierig, was noch alles geht.” Und dann haben Sie ganz easy abgespeckt. Big ist eben doch nicht beautiful. Und wenn frau neugierig genug ist, kann sie locker schlank sein. Vorbildhaft, Frau Neubauer! Danke, sagt die dicke Frau! Und stellt sich ganz neugierig vor den Spiegel. Mal sehen, was geht. Sollte es trotz Punktezählen nicht klappen mit dem Abnehmen, fange ich mit Yoga an! Davon nimmt frau nämlich ganz nebenbei ab, schier von alleine! Das verkündet ein rank und schlank gewordenes „Moppel-Ich“ dieser Tage in ihrem neuen Buch! Toll, Frau Fröhlich! Danke!
Vom frechen Hund und seinem Herrchen
Ich laufe gerne und regelmäßig um den Otto-Maigler-See. Dass mein Adrenalinspiegel jedes Mal steigt, wenn ich dabei auf einen der vielen dort frei laufenden Hunde treffe, hat mich bisher nicht davon abgehalten. Erstens soll Adrenalin im Blut ja die Fettverbrennung ankurbeln. Und zweitens mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass mich die Vierbeiner bestenfalls eines müden Seitenblickes würdigen, wenn wir uns passieren.
Nicht so jener Hund, den ich neulich auf einer meiner Runden treffen musste. Auf geschätzte 30 Meter standen wir uns plötzlich gegenüber. Der Hund hielt wie gebannt inne und starrte mich an, ich verlangsamte sofort meinen Schritt. Der vermutliche Hundebesitzer war noch einmal gefühlte 30 Meter von seinem Tier entfernt. Und seine Aufmerksamkeit richtete sich offensichtlich gerade auf etwas anderes als seinen besten Freund. Ich winkte und rief, er möge bitte seinen Hund zurückhalten. Nun weiß ich nicht mehr, ob das Tier da schon auf mich losgestürmt war oder erst, nachdem ich gerufen hatte. Jedenfalls kam es mit kraftvollen Riesensätzen auf mich zugeschossen. Es jagte dann allerdings haarscharf an mir vorbei und umsprang eine Läuferin, die ein Stück hinter mir ebenfalls aus Angst stehen geblieben war. Erst nach mehrmaligem Pfeifen und Rufen von Herrchen ließ der Köter von uns zu Tode erschrockenen Läuferinnen ab. Ich hatte keine Gelegenheit mehr, den Hundebesitzer anzusprechen, da bellte er mich bereits an: Ich dürfe mich nicht wundern, dass der Hund auf mich losstürme, wenn ich die Arme höbe (Man erinnere sich: Ich hatte gewunken!). „Da denkt der natürlich, Sie wollen spielen.“ „Das kann ich ja nun nicht wissen“, entgegnete ich. „Ich kenne den Hund ja nicht. Und ich will einfach nicht, dass ein Hund plötzlich auf mich losstürmt. Da habe ich erstmal Angst.“ Darauf Herr Hundebesitzer: „Dann sind Sie hier falsch.“
Mir verschlug es ob dieses Statements buchstäblich die Sprache. Und bevor ich sie wieder gefunden und mir ein paar angemessene Antworten parat gelegt hatte, waren Herrchen und Hund entgegen meiner Laufrichtung weiter gezogen. Ich bin dem Pärchen dann auch nicht mehr nachgelaufen. Bei dieser Sorte Hundebesitzer – dachte ich mir – stößt vermutlich jeder Versuch eines Dialogs auf taube Ohren.