5. April 2019

Es tut sich was im Kunstzentrum Signalwerk: FrühjahrsKunstSalon und Ausbaupläne

„Wir und die Anderen“, so lautet das Thema des FrühjahrsKunstSalons 2019 an diesem Wochenende im Kunstzentrum Signalwerk in Frechen. 19 Künstlerinnen und Künstler öffnen ihre Ateliers in der ehemaligen Signalwerkstatt der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK), um Arbeiten zum Thema zu zeigen. Dazu kommen 14 Kunstschaffende, die sich extra für den FrühjahrsKunstSalon mit dem Thema beschäftigt haben und sich als Gäste an dem Projekt beteiligen. Ihre Werke dazu stellen sie in den Fluren und Treppenaufgängen des Signalwerks aus. „Unsere Überlegung war, dass die ausgestellten Werke Anlass geben könnten zu Diskussionen, und ermutigen, Stellung zu beziehen zu Fragen unserer modernen Gesellschaft und den Streitpunkten der gegenwärtigen politischen und sozialen Konflikte“, erklären die Veranstaltenden das ambitionierte Projekt.

„Wir und die Anderen“

Auf der Einladungskarte zum FrühjahrsKunstSalon 2019 sind stichwortartige Assoziationen zum Thema „Wir und die Anderen“ zu lesen, mit denen sich die Projektteilnehmer in ihren Werken auseinandergesetzt haben. So hat sich Angelika Kissing zum Beispiel mit dem assoziativen Begriff „komplementär“ befasst und für das Projekt mit den Farben Rot und Grün gearbeitet, aus denen gemischt unendlich viele neue Farben entstehen können. Walter Schröder hat den Begriff „Freiheit“ in einer „Klaviatur der Freiheit“ aufgehen lassen: In kleinen Schachteln stecken die Portrait von bekannten, aber durchaus auch streitbaren Kämpferinnen und Kämpfern für die Freiheit.

„Es kann auch ein Zeichen von Respekt sein, die Meinung des Anderen nicht zu tolerieren.“ (Gregor Siebenkotten)

Und Gregor Siebenkotten hat sein Atelier dem Begriff „Respekt“ gewidmet und einen Diskussionsraum geschaffen, in dem er eine Kunstaktion wagt: In seinem „Respektraum“ hat er Thesen in Zeilensprüngen auf Postkarten an die Wand gehängt. Sie sollen zum Hinterfragen der eigenen Haltungen und Überzeugungen und zu denen der anderen anregen. „Menschenrechte sind nicht Kultur sondern Natur“, lautet zum Beispiel eine der aufgeschriebenen Thesen, die Gregor Siebenkotten dann jeweils mit einem „oder?“ in Frage stellt. Der Künstler will die Besucher seines Diskussionsraums bewusst zu Gesprächen und zum Austausch mit den anderen Besuchern ermutigen. Dafür hat er Ansteckschildchen entweder mit einer Sprechblase oder mit einer durchgestrichenen Sprechblase vorbereitet, mit denen die Besucher den anderen signalisieren können, ob sie gesprächsbereit sind oder nicht. „Wichtig ist mir, dass dies ein geschützter Raum ist, in dem man sich auf einen respektvollen Umgang miteinander einigt“, erklärt der Künstler. Es gehe nicht darum zu moralisieren. Aber: „Es kann auch ein Zeichen von Respekt sein, die Meinung des Anderen nicht zu tolerieren.“

Gregor Siebenkotten im Respektraum im Signalwerk
Gregor Siebenkotten will die Besucher seines „Respektraums“ zu Diskussionen über seine Thesen ermutigen. Dafür hat er Ansteckschildchen entweder mit einer Sprechblase oder mit einer durchgestrichenen Sprechblase vorbereitet, mit denen die Besucher den anderen signalisieren können, ob sie gesprächsbereit sind oder nicht.
Foto: Susanne Neumann

 

Angelika Kissing in ihrem Atelier im Kunstzentrum Signalwerk
Angelika Kissing hat sich mit dem assoziativen Begriff „komplementär“ befasst und für das Projekt mit den Farben Rot und Grün gearbeitet, aus denen gemischt unendlich viele neue Fraben entstehen können.
Foto: Susanne Neumann

 

Walter Schröder in seinem Atelier im Kunstzentrum Signalwerk mit seiner Klaviatur der Freiheit
Walter Schröder hat den Begriff „Freiheit“ in eine Klaviatur der Freiheit übersetzt: In kleinen Schachteln stecken die Portraitfotos von berühmten aber durchaus auch streitbaren Kämpferinnen und Kämpfern für die Freiheit.
Foto: Susanne Neumann

 

Gisela Tschauner in ihrem Atelier im Kunstzentrum Signalwerk
Gisela Tschauner hat die Wörter „Allah“, „Jehova“ und „Gott“ in ihrer Handschrift vielfach übereinander geschrieben und die entstandenen Zwischenräume ausgemalt. So entstanden „Wortgebiete“, die gegen Abgrenzung stehen.
Foto: Susanne Neumann

 

Angelika Schneeberger in ihrem Atelier im Kunstzentrum Signalwerk
Angelika Schneeberger hat den alten Koffer eines Bekannten zum Thema von Tuschezeichnungen gemacht, in denen sie sich mit der Frage auseinandersetzt, was Reisende dort antreffen, wo sie ankommen. In eine Wolfs-Zeichnung hat sie die These übersetzt, dass der Mensch dem Menschen nur ein Wolf sei, solange man sich nicht kenne.
Foto: Susanne Neumann

 

Rose Schreiber - Über den Kamm scheren, 2019 im Signalwerk
Achtzehn fein geschnitzte Figurinen bilden die Zinken dieses Kamms aus Zedernholz von Rose Schreiber. „Jahrelang“ habe sie daran gearbeitet, erzählt die Frechener Künstlerin. Sie nimmt mit dieser Arbeit mit dem Titel „Über den Kamm scheren“ als Gast am FrühjahrsKunstSalon 2019 teil.
Foto: Susanne Neumann

 

 

"Bartmannstraßenblues". Foto: Rose Schreiber und Michael Mayr
Das Thema des FrühjahrsKunstSalons 2019 schon im Kopf fotografierten Rose Schreiber und Michael Mayr gezielt dieses Bild, das sich ihnen in der Bartmannstraße bot, und nannten es „Bartmannstraßenblues“.
Foto: Rose Schreiber und Michael Mayr

Ein Rahmenprogramm soll zusätzliche Anregungen bieten. Im Atelier von Fatima Hoffmann findet am Sonntag eine Kurzlesung statt: die Autorin Maria Sarafidou von der Schreibwerkstatt „Federleicht“ der Gold-Kraemer-Stiftung, der Autor und Mediziner Gynter Mödder und der Frechener Publizist Jürgen Streich haben sich dem Thema „Wir und die Anderen“ schreibend genähert und werden jeweils etwa viertelstündige Texte dazu vortragen. Und im Atelier der Kunstpädagogin Additschka von Schalscha wird das Akustik Duo „ten to a dozen“ aus Stephi Stillger (Gesang) und Marc Meinekat (Gitarre) die beiden Ausstellungstage jeweils mit eigenwillig interpretierten Rock und Popsongs ausklingen lassen.

Signalwerk seit 10 Jahre Kunstzentrum

Es ist das erste Mal, dass sich die Ateliergemeinschaft im Kunstzentrum Signalwerk für ihren alljährlich stattfindenden Kunstsalon ein Thema gegeben und Gastaussteller dazu eingeladen hat. Das sei auch ein Versuch, das Kunstzentrum nochmal etwas bekannter zu machen und zu beleben, erklärt Malerin Angelika Schneeberger. Eigentümerin Petra Schmidt hatte schon vor etwa zehn Jahren damit begonnen, in dem ehemaligen Industriebau der HGK Ateliers für Kunstschaffende einzurichten. Aktuell arbeiten 27 Künstlerinnen und Künstler in den verschieden großen Ateliers. Dennoch gebe es immer noch Frechener, die von der heutigen Bestimmung des Gebäudes nichts wüssten.

Tatsächlich kommt hier auch niemand zufällig vorbei, obwohl ein großes Schild – gut sichtbar auch von der Stadtbahnlinie 7 aus – den Weg weist. Aber das Gebäude selbst versteckt sich von hier aus hinter der Gründerzeit-Villa an der Kölner Straße, Ecke Hochstedenstraße. Es grenzt an das Gelände des alten Bahnhofs, auf dem zur Zeit eine Fachhochschule errichtet wird.

Demnächst wird das Gebäude sogar noch aufgestockt. Im vergangenen Februar stimmte der Rat der Stadt Frechen einem entsprechend geänderten Bebauungsplan zu. Der sieht zum einen den Anbau eines Gebäuderiegels entlang der Hochstedenstraße vor, in dem eine Altersresidenz eingerichtet werden soll. Das zugehörige Grundstück hat Petra Schmidt bereits an den Investor verkauft. Der übernimmt auch die Kosten für den Bau der Erschließungsstraße zum Gebäuderiegel, die auf der Rückseite des Signalwerks entlang der Bahnschienen der HGK gebaut wird. Wenn die Straße fertig ist, wird sie über einen Erschließungsvertrag kosten- und lastenfrei für die Stadt dieser übergeben.

Kunstzentrum Signalwerk, Baustelle von Hochstedenstraße aus
Zwischen Signalwerk und den Gleisen der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn wird entlang der Hochstedenstraße ein Gebäuderiegel an das Signalwerk angebaut und vom Bahnhofsgelände her eine Straße gebaut.
Foto: Susanne Neumann

Zwischen Signalwerk und den Gleisen der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn wird entlang der Hochstedenstraße ein Gebäuderiegel an das Signalwerk angebaut und vom ehemaligen Bahnhofs Gelände her eine Straße gebaut.

Gleichzeitig mit dem Anbau soll das Signalwerk ein Stockwerk höher werden. Seit 2012 plane sie das zusätzliche Stockwerk bereits, erzählt Petra Schmidt. Es sehe im Moment aber eher so aus, als werde es nicht vor 2020 realisiert. Acht Ateliers und vier Atelierwohnungen sind in der zusätzlichen Etage geplant. Eine Atelierwohnung existiert im Signalwerk bereits im Untergeschoss. Dort wohnte bis vor kurzem der bekannte Künstler Gunter Demnig, der an die Opfer der Nationalsozialisten erinnert, indem er „Stolpersteine“ aus Messing vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort ins Trottoire verlegt.

Das Kunstzentrum Signalwerk ist zum FrühjahreKunstSalon 2019 geöffnet
am Samstag, 6.4.19 von 15 bis 18 Uhr
am Sonntag, 7.4.19 von 11 bis 18 Uhr

Lifemusik vom Duo „ten to a dozen“ am Samstag und Sonntag jeweils 17 Uhr im Atelier von Additschka von Schalscha
Lesung mit Maria Sarafidou, Gynter Mödder und Jürgen Streich (Moderation) am Sonntag um 14.30 Uhr 

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